OK, dir ist natürlich klar, dass es auf diese Frage keine pauschale Antwort gibt. Falls dich allerdings wirklich nur die nackten Zahlen interessieren, dann überspring die nächsten Absätze einfach. Ich vermute allerdings, dass sich hinter deiner Frage nicht nur Neugier verbirgt, sondern auch Unsicherheit, Unzufriedenheit und alle möglichen unbewussten Glaubenssätze.

Glaubst du zum Beispiel, als Geisteswissenschaftler*in hast du schlechte Chancen auf ein gutes Einstiegsgehalt? Denkst du gleichzeitig, dass dir Geld als Geisteswissenschaftler*in ohnehin nicht wichtig ist (oder sein darf)? Hast du bisher ausschließlich in schlechtbezahlten Jobs oder unbezahlten Praktika gearbeitet und glaubst deswegen, das geht jetzt so weiter? Und fühlst du dich mit all dem unwohl?

Das muss zum Glück nicht so bleiben. Denn hier erfährst du,

  • wie andere Geisteswissenschaftler*innen über Geld denken (und was sie verdienen)
  • welche drei Dinge du tun kannst, um mehr Klarheit und Sicherheit im Umgang mit Geld zu finden

Was andere Geisteswissenschaftler*innen über Geld denken (und was sie verdienen)

Ein Teilnehmer sagte neulich in der Vorstellungsrunde von meinem Workshop: „Die Jobs, auf die ich mich als Geisteswissenschaftler bewerben könnte, sind doch alle dumpf und dann auch noch schlecht bezahlt.“ Eine Kursteilnehmerin pflichtete ihm bei: „Oder es sind Jobs, bei denen man eigentlich alles können muss – Social Media Marketing, Buchhaltung, Kundenservice, Verkauf, Konzeption, Webseiten-Design, Programmieren und am besten noch Kaffeekochen – und trotzdem krass schlecht bezahlt wird.“

Kommentare wie diese sind dir sicher vertraut. Das Klischee von der taxifahrenden Geisteswissenschaftlerin hält sich hartnäckig. Hilfreich ist es freilich nicht – ebenso wenig wie die pessimistischen Kommentare deiner Kommiliton*innen und deine eigenen negativen Glaubenssätze.

In die diffus düsteren Zukunftsaussichten vieler Geisteswissenschaftler*innen mischt sich eine vehemente Skepsis gegenüber allem, was mit Geld zu tun hat. Kapitalismus ist schlecht und böse und deswegen will man damit nichts zu tun haben. So oder so ähnlich lautet das Credo, denn sonst hätte man ja BWL studiert. Das ist natürlich überspitzt. Dennoch ist etwas dran: Beim Berufspraxistag für Geisteswissenschaftler*innen der FU Berlin, wo ich dieses Jahr die Eröffnungsrede halten darf, werden seit vier Jahren Menschen aus verschiedenen Berufsfeldern eingeladen, um den jungen Studierenden eine Vorstellung über ihre beruflichen Möglichkeiten zu geben. Auf meine Frage, warum unter den Eingeladenen niemand aus der Privatwirtschaft vertreten sei, antwortete die Koordinatorin: „Nun ja, wir haben die Erfahrung gemacht, dass, wenn da zum Beispiel jemand von Siemens sitzt, der Raum mehr oder weniger leer bleibt. Die Studierenden interessieren sich klassischerweise für Journalismus und den Kulturbetrieb. Wenn sie sich dann noch in das Panel über PR/Öffentlichkeitsarbeit setzen, ist das schon ein Erfolg für uns.“

Ich finde diese Haltung paradox. Denn hinter der ideologischen Ablehnung des Kapitalismus steckt doch im Grunde die Überzeugung, dass es Alternativen gibt oder geben müsste. Also der Wunsch nach Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit zum Beispiel. So weit verbreitet die geisteswissenschaftliche Ablehnung gegenüber dem Kapitalismus (und damit verflochten: Geld) ist, so verbreitet ist auch der Drang, einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten und eine Arbeit mit Sinn zu verrichten. Wie aber soll Letzteres funktionieren ohne die Bereitschaft, sich mit dem System, in dem wir leben, aktiv auseinanderzusetzen?

Johannes Terwitte zeigt, wie solch eine aktive Auseinandersetzung aussehen könnte. Er hat Politik, Wirtschaft und Philosophie in Oxford studiert, über Vor- und Nachteile von Modellversuchen mit dem Grundeinkommen in Deutschland seine Masterarbeit geschrieben und danach einige Jahre für Teachfirst Deutschland gearbeitet. Heute lebt er mit seiner vierköpfigen Familie in einer gemeinwohlorientierten Gemeinschaft in Vorpommern. Sein Jahreseinkommen (als freiberuflicher Begleiter von Großgruppenprozessen) und das seiner Partnerin (Physiotherapeutin) liegt bei etwa 12.000 Euro monatlich. Beide verrichten bewusst wenig Lohnarbeit, um mehr Zeit für sich, für ihre Kinder und für die Gemeinschaft zu haben. Dennoch reicht das Geld für alles, was sie dort brauchen: Miete, Beitrag zum Bio-Essen für alle, Bahncard und Bahntickets. Kleidung und Gebrauchsgegenstände werden meist gebraucht genutzt. Man könnte Johannes‘ Entscheidung für dieses Leben als Ausstieg oder Rückzug bewerten – wäre da nicht der Anspruch, innerhalb dieser Gemeinschaft zu erproben, wie ein alternatives Leben zum bestehenden System funktionieren könnte. Es ist ein Modellversuch: weitgehende Selbstversorgung im Rahmen einer Subsistenz- und Kreislaufwirtschaft, ein empathischer Umgang miteinander, die Gründung einer demokratischen freien Schule – gefördert von der GLS Bank.

Johannes‘ Haltung zu Erwerbsarbeit und sein bewusster Verzicht auf ein höheres Einkommen mag ungewöhnlich sein. Doch allein weil er sich so aktiv mit Fragen wirtschaftlicher Gerechtigkeit und persönlicher Freiheit auseinandergesetzt hat, und weil er seine Entscheidungen bewusst getroffen hat, ist er zufrieden und kann seine Energie auf genau die Dinge bündeln, die ihm wichtig sind.

Ein ganz anderer Weg, sich aktiv mit wirtschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen, ist es, wie Simon als Unternehmensberater zu arbeiten. Simon hat mit Auszeichnung in Philosophie promoviert und ist trotz exzellenter Aussichten auf eine Professur bei einer führenden Unternehmensberatung als Associate eingestiegen. Seine Lust, Lösungen für hochkomplexe Fragestellungen zu entwickeln, die anders als in der Wissenschaft einen messbaren Impact haben – aber auch das Einstiegsjahresgehalt von über 100.000 Euro – haben ihm die Entscheidung erleichtert.

Johannes und Simon habe ich als Beispiele gewählt, um zweierlei zu zeigen. Zum Einen ist das Gehaltsspektrum, auf dem Geisteswissenschaftler*innen sich bewegen, extrem breit. Zum Anderen hat die Zufriedenheit mit dem eigenen Gehalt sehr viel mehr Faktoren als nur seine Höhe.

Wie findest du nun heraus, wie hoch dein Gehalt sein müsste, damit du zufrieden bist? Welche anderen Faktoren sind dir für deine Zufriedenheit mit deiner Erwerbsarbeit besonders wichtig? Was ist deine durchdachte und begründete Haltung zum Kapitalismus? Wie findest du mehr Klarheit und (Selbst-)Sicherheit zu Geldfragen?

3 Dinge, die du tun kannst, um mehr Klarheit und Sicherheit im Umgang mit Geld zu finden.

[1] Beschäftige dich aktiv mit Geld. Lies Artikel, Blogs, Bücher über Geld. Höre Podcasts. Schau Videos an. Besuche Lesungen, Workshops etc. Tu dies aus verschiedenen Perspektiven und kontinuierlich. Hier sind einige Vorschläge.

Geisteswissenschaftlich: Was ist die Geschichte des Geldes? Wie hängen Ethik und Geld zusammen? Oder Geld und Geschlecht? Das sind alles wahnsinnig spannende Fragen, zu denen es einen reichen Fundus an Antworten gibt. Zum Beispiel die Ringvorlesung Geld und Leben der LMU, die du dir als Podcast und als Video zu Gemüte führen kannst. Oder Eva Bösenbergs Money and Gender in the American Novel. Oder Florian Opitz’ Film System Error.

Pragmatisch: Wieviel Geld brauchst du zu einem guten Leben? Was sind deine tatsächlichen Ausgaben? Wie stehst du zum Thema Altersvorsorge/Vermögensaufbau? Hier habe ich eine Buchempfehlung: Kümmer dich um dein Geld – sonst tun es andere! Und einen Podcast: zendepot.de von Holger Grethe. Und eine Webseite: https://madamemoneypenny.de/ Rafael Fellmers Geldlos glücklich.

[2] Stell Fragen zu Geld.

Eigentlich das Einfachste der Welt und trotzdem bin ich immer wieder überrascht, wie wenig meine Coaching-Kund*innen und Kursteilnehmer*innen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Stell deine Fragen.

Google spuckt schnell die ersten Zahlen aus, an denen du dich orientieren kannst. Natürlich sind statistische Aussagen oft nicht so befriedigend, denn du willst wissen, wieviel du in einem bestimmten Berufsfeld verdienen könntest.

Dazu mach dir das Wissen aus deinem Freundeskreis und deiner Familie zunutze. Frag sie, was sie verdienen – insbesondere, wenn sie in einem Bereich arbeiten, der dich interessiert. Aber auch sonst helfen Referenzzahlen deiner Orientierung.

Letztendlich willst du aber wissen, was andere Menschen in deinem Wunschberuf konkret verdienen, oder? Eine ausgezeichnete Möglichkeit, Menschen kennenzulernen, die in einem für dich spannenden Berufsfeld arbeiten, bieten Xing und LinkedIn. Du kannst Berufsbezeichnung und Ort in die Suchmaske eingeben und bekommst eine lange Liste mit Kontaktvorschlägen. Genau. Kontaktvorschläge. Diese Menschen haben ihr Profil öffentlich gemacht, weil sie offen für Kontakte sind. Geh davon aus, dass sie sich über dein Interesse an ihrer Arbeit freuen. Schreib ihnen eine kurze, persönliche und wertschätzende Nachricht.

Bleib am Ball.

Das absolut Wichtigste: Mach dir deine Beschäftigung mit Geld zur Gewohnheit – solange, bis du dich sicher damit fühlst, bis du Klarheit über deine Haltung zu Geld gewonnen hast.

 

 

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