Dieser Teil der Blogreihe über Herminia Ibarras großartiges Buch Working Identity beantwortet zwei wesentliche Fragen im beruflichen Transformationsprozess:

 

Warum ist es so unglaublich schwer, einen echten Wandel zu vollziehen?

 und:

Was ist die beste Herangehensweise, um eine echte Veränderung zu bewirken?

 

In Teil 2 und 3 ging es ja bereits um die möglichen Identitäten und die Phase des Dazwischen. Diese beiden Teile treffen auf jede berufliche Veränderung zu, auch auf Studierende/Promovierende, die nach ihrem Universitätsabschluss in einen Beruf einsteigen – selbst dann noch, wenn dieser Einstieg ein paar Monate dauert.

 

Der tiefe Wandel, der hier in diesem Teil behandelt wird, betrifft jedoch speziell Menschen, die bereits eine mehrjährige berufliche Identität aufgebaut haben oder aber die langjährig arbeitslos waren. Postdocs, die mindestens ein Jahr lang in einer wissenschaftlichen Funktion angestellt waren, zähle ich auf jeden Fall auch in diese Gruppe, weil die wissenschaftliche Tätigkeit nach abgeschlossener Promotion in vielerlei Hinsicht den beruflichen Einstieg in ein außerwissenschaftliches Tätigkeitsfeld schwerer macht. Außerdem hat sich spätestens zu diesem Zeitpunkt in aller Regel ein Selbstbild als Wissenschaftler*in etabliert, das es nun gilt, abzulegen und zu verwandeln. Aber wie?

 

Für manche ist die Versuchung groß, sofort Radikalmaßnahmen einzuläuten: Das Angebot von Boston Consulting annehmen trotz Unsicherheit über die eigene Motivation und die Passung des Wertesystems oder einfach die Stelle kündigen und eine Weltreise machen.

 

Für Menschen, die schon meherer Jahre arbeiten, ist es nicht unbedingt leichter. Eine Sozialarbeiterin erzählte mir, dass sie seit Jahren ihr Tätigkeitsfeld ändern möchte, aber dass auch ihre vielen Arbeitgeberwechsel nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Den Arbeitgeber zu wechseln ist auf jeden Fall eine Radikalmaßnahme – und nicht nur im Fall dieser Sozialarbeiterin kam dieser Schritt zu früh.

 

Das Diagramm, das Ibarra aus Edgar Scheins Karriereankern entnommen hat, liefert einen Erklärungsansatz: Die Veränderung im Fall der Sozialarbeiterin betrifft lediglich die oberste Ebene, den Job. Die unteren zwei Ebenen passen nach wie vor nicht dazu, selbst wenn sie den Job noch zehnmal wechselt. Ebenso kann man die Pyramide von unten aus betrachten: Solange sich an den tiefen Schichten nichts ändert, wird es schwierig sein, die oberste Schicht so zu ändern, dass es sich stimmig anfühlt.

 

Tatsächlich ist es sinnvoller, viele kleine Schritte zu gehen, als sofort eine tiefgreifende Verlagerung anzustreben. Zwei Schritte vor und einer zurück ist laut Ibarra besser als eine sehr große Entscheidung zu früh zu fällen. Denn wenn die große Entscheidung nicht die erwünschte Wirkung zeigt, hat das fast immer tiefere Gründe in der Persönlichkeit.

 

Unsere Persönlichkeit, unser inneres System, muss mit dem äußeren Wandel mitkommen. Beides muss in Kongruenz gebracht werden. Nur so kann der Wandel nachhaltig sein.

 

Diese Kongruenz wird am ehesten durch kleine Schritte erzielt. Kleine Schritte sind nicht folgenlos. Sie sind häufig die einzige Möglichkeit, so komplexe Probleme wie Berufseinstieg oder Karrierewechsel anzugehen. Scheinbar kleine Schritte, Miniprojekt für Miniprojekt – in der Summe schaft dies eine Schwungkraft, die dann auch den Lebensrahmen insgesamt passend macht.

 

 

Warum das so ist? Die Antwort liegt teilweise in unserer Psychologie begründet. Wenn wir ein Problem als groß und ernst definieren, führt das schnell zu Frust und Überforderung. In einem solchen Zustand sind wir kaum mehr in der Lage, kreativ zu sein und zu denken. Wenn wir Wandel gleichsetzen mit großen, kühnen Handlungen, dann vergrößert sich unsere Angst davor.

 

Besser ist es, die Komplexität des Problems in möglichst kleine Teilaspekte zu zerteilen. Du hast in erster Linie die Sorge, dass das Geld zu knapp wird? Dann ist das kleinste Teilproblem, eine „cash cow“ zu finden, wie eine meiner ehemaligen Kursteilnehmerinnen so schön sagte. Das ist einfacher zu lösen, als einen gut bezahlten Job zu finden, der deinem Potenzial und deinen Interessen entspricht, die perfekte Arbeitskultur für dich bereit hält und nur 15 Gehminuten von deiner Haustür entfernt liegt. Nachdem du also eine „cash cow“ gefunden hast, ist das nächste Teilproblem vielleicht, wie du dein Netzwerk in deinem Wunschbereich erweiterst. Es ist sehr viel einfacher, Schritte zu entwerfen, wenn das Problem übersichtlich ist.

 

Viele Menschen haben sehr große Träume über ihre berufliche Zukunft – aber trauen sich nicht, diese jemals umzusetzen. Sie spüren inneren und äußeren Erwartungsdruck, oder sehen zu große strukturelle Hürden. Und so begraben sie ihre Träume immer wieder. Doch was auch immer der Grund dafür ist, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass diese Träume irgendwann wiederkommen. Denn sie sind Ausdruck von inneren Werten, Überzeugungen, und Leidenschaften, die gern ins Leben integriert werden wollen. Wenn die Passung von Innen und Außen zu schlecht ist, rächt sich das auf vielfältige Weise. Entweder wir werden unglücklich und krank – oder wir ändern etwas, und zwar in kleinen Schritten.

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