Diese Frage, wenn du sie schon oft genug gehört hast, geht dir sicher genauso auf die Nerven wie mir:

„Was willst du denn damit [in einem Tonfall, der äußerste Ablehnung oder Angst und nicht selten Spott signalisiert] später werden?“

Wenn du so tickst wie ich, hast du dir eine Strategie zurechtgelegt, mit der du die Fragenden möglichst schnell und elegant zu einem Themenwechsel oder gleich zum Schweigen bringst. Zum Beispiel, indem du in einer Standardantwort eine Berufsbezeichnung lieferst, die auf die fragende Person langweilig, respekteinflößend oder sarkastisch wirkt. Welche Wirkung dein Gegenüber am ehesten verstummen lässt, ist natürlich von vielen Faktoren abhängig. Da hast du sicher schon deine eigenen Erfahrungswerte gesammelt.

Die langweilige* Variante könnte lauten:

„Referentin einer bildungspolitischen Stiftung.“

Die respekteinflößende*:

„Chefredakteur im Wirtschaftsressort der FAZ“

Die sarkastische*:

„Taxifahrerin.“

*(Auch meine Zuordnung der Attribute ist natürlich – du als Geisteswissenschaftler*in weißt das – abhängig vom Kontext, in dem das Gespräch stattfindet, von der Beziehung, in der die Sprechenden zueinander stehen, sowie von deren Zielen, Motiven und persönlichen Eigenschaften.)

Du könntest auch sagen „Storyboard-Schreiberin für eine Werbefilmagentur“ oder „Markensemiotiker“. Das Risiko hier ist, dass die Wahrscheinlichkeit für Nachfragen mit dem Grad der Exotik der Berufsbezeichnung steigt. Eine solche Antwort würde ich nur dann empfehlen, wenn du Lust auf eine inhaltliche Diskussion hast oder wenn dir dieses Berufsfeld wirklich und wahrhaftig für deine Zukunft vorschwebt.

Wenn diese Frage jedoch tatsächlich ein leichtes Genervtsein, eine gewisse Gereiztheit oder gar verdeckte oder offene Aggression in dir auslöst, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass du eben noch nicht weißt, was du „damit“ einmal anfangen willst.

Und weißt du was?

Das ist nicht schlimm. Es ist völlig okay, nicht zu wissen, was als nächstes
kommt. Es ist auch okay, dich blöd zu fühlen, wenn du genau nach dieser Zukunft
immer wieder gefragt wirst. Dennoch: Die Antwortstrategien, die ich eben
beschrieben habe, sind leider immer nur eine sehr kurzfristige Lösung. Sie
helfen auch nicht dabei, deine berufliche Zukunft selbstbestimmt zu gestalten,
sondern vertagen lediglich deine Auseinandersetzung mit dieser Frage.

Es könnte natürlich sein, dass du aus tiefster Überzeugung die Dinge auf dich zukommen lässt. Qué sera sera und so weiter. Dann ist das auch wirklich fein. Aber dann wärst du vermutlich auch eher entspannt und gelassen bei der wiederholten Frage nach deiner beruflichen Zukunft. Oder?

Worauf ich hinaus will?

Nimm deine Gefühle ernst. Das ist alles. Mehr will ich gar nicht von dir.

Ich sage das so einfach, dabei ist das eigentlich das Schwerste überhaupt. Was passiert, wenn du dein Genervtsein, deine eigene Unruhe und Ängstlichkeit, deine Zweifel, deinen Frust – wenn du all das aufmerksam beobachtest und wahrnimmst? Was steckt alles drin in diesen Gefühlen?

Eine Sache, die für mich da immer drin steckt, ist die Überforderung von der Vielzahl der Möglichkeiten. Als Geisteswissenschaftler*innen haben wir eben keinen vorgezeichneten Berufsweg, wie das für Mediziner*innen, Lehrer*innen und Informatiker*innen (vermeintlich) der Fall ist. Das macht unseren Berufsfindungsprozess gleichermaßen anspruchsvoll und vielversprechend. Absolvent*innen der Geistes- und Sozialwissenschaften sind mehr als Absolvent*innen anderer Fachrichtungen mit der Herausforderung konfrontiert, eine eigene Vision zu entwickeln. Ein Ziel, das sowohl zur eigenen Motivation als auch zu Werten, Stärken und Kompetenzen passt. Für mich ist das einer der vielen Gründe, warum ich die Geisteswissenschaften so toll finde. Sie laden uns nicht nur ein, sie drängen uns geradezu, Gestalter*innen unseres Lebens zu werden.

Es kann hilfreich sein, sich umzuschauen, welche Jobs für Geisteswissenschaftler*innen es überhaupt so gibt. Stellenanzeigen eignen sich dafür nur bedingt, weil sie bei den meisten Menschen eher Beklemmungen und Aversion auslösen. Bei dir auch? Keine guten Voraussetzungen, um die eigene berufliche Orientierung anzugehen.

Deswegen werde ich in den nächsten Wochen eine dreiteilige Serie veröffentlichen, die dir die Vielzahl der beruflichen Möglichkeiten, die du hast, nahbar und schmackhaft machen soll. Dich erwarten:

5 untypische Jobs und/oder Branchen für Geisteswissenschaftler*innen und warum es sich lohnt, über den Tellerrand zu gucken:

  • Head of Sales und Business Development (Bergbau) – Christian (Geschichte, Philosophie, Germanistik)
  • Tangotänzer – Rafael (Germanistik, Soziologie)
  • Software-Developer – Max (Philosophie)
  • Gründerin und Geschäftsführerin eines Sozialunternehmens – Katja (Amerikanistik)
  • Leitung Unternehmenskommunikation (Automobil) – Katja (Soziologie)

5 beliebte Jobs unter Geisteswissenschaftler*innen und was du dazu wissen musst:

  • Referent einer Stiftung – Marc (Geschichte)
  • Journalistin – Inga (Literaturwissenschaft)
  • Lektorin – Stephanie (Germanistik, Anglistik, Philosophie)
  • Projektkoordination – Inken (Romanistik, Germanistik)
  • Wissenschaftsmanager – Rafael (Theaterwissenschaft)

5 Jobs für Geisteswissenschaftler*innen, von denen du noch nichts wusstest

  • Design-Semiotiker – Joel (Literaturwissenschaft)
  • Argumentationslogiktrainer – Malte (Philosophie)
  • Storytelling-Expertin – Hanna (Philosophie)
  • Ahnenforscher – Robert (Geschichte)
  • Bibliotherapeutin – Brigitte (Literaturwissenschaft)

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