Ich habe mich umgeschaut. Weil ich wissen wollte, welche gefragten Fachkompetenzen Geisteswissenschaftler*innen aus ihrem Studium und damit verbundenen Arbeitserfahrungen mitbringen. 

Wohlgemerkt: Fachkompetenzen.

 Ich spreche also nicht von den häufig genannten Sozial- und Personalkompetenzen, wie Flexibilität, Eigeninitiative, Organisationsfähigkeit, Kommunikationstalent und Zielstrebigkeit. Diese Kompetenzen sind so allgemein, dass sie völlig unabhängig vom Studienfach zutreffen können – oder auch nicht. Obwohl diese Kompetenzen ungeheuer wichtig für ein erfolgreiches Berufsleben sind, sind sie leider kein Alleinstellungsmerkmal für Geisteswissenschaftler*innen.

 Ich spreche auch nicht von den methodischen Kompetenzen, die zwar zum Teil schon etwas näher dran sind an den eigentlichen Fächern, aber zu den übertragbaren Fähigkeiten gehören und damit eben auch nicht zu den Hardskills, die für Recruiting Manager in vielen gefragten Berufen nun einmal das K.O.-Kriterium sind. Wobei natürlich auch die Methodenkompetenzen entscheidend dafür sind, um sich schnell in neue Inhalte einzuarbeiten. Campusrookies hat auf seinem Blog übrigens einen guten Artikel zu genau dieser Gruppe von Kompetenzen veröffentlicht.

 Ich spreche aber hier von Fachkompetenzen, und zwar von denjenigen Fachkompetenzen, die laut einer LinkedIn-internen Analyse der Firmendaten auf der Plattform im Jahr 2019 zu den 25 gefragtesten Fachkompetenzen gehören. Branchenübergreifend. Wenn du diesem Link folgst, siehst du zunächst die 5 gefragtesten Softskills (was im Deutschen als Sozial- und Personalkompetenzen bekannt ist.) Dann folgen die 25 gefragtesten Hardskills.

Das Schöne an den Fachkompetenzen/Hardskills ist ihre leichtere Übersetzbarkeit in bestimmte Berufsgruppen und Branchen.

Das Schwierige an den Fachkompetenzen/Hardskills ist, dass es Geisteswissenschaftler*innen oft schwerfällt, für sich selbst welche zu benennen.

Deswegen gehe ich den umgekehrten Weg und überlege, welche der gefragten Hardskills sich mit einem geisteswissenschaftlichen Studium besonders leicht erlernen lassen. Ja, das ist richtig. Von Arbeitgeber*innen werden diese Skills nur dann anerkannt, wenn du dafür Nachweise hast. Dazu zählt in erster Linie Arbeitserfahrung (Praktika, Traineestellen, Volontariate, Freelance Work).

Um den Zugang zu diesen Arbeitserfahrungen zu erleichtern, kann es helfen, wenn du dich persönlich weiterbildest. Dafür hat LinkedIn zu jeder Hardskill Kurse verlinkt, in denen man genau das lernen kann. Und diese absolvierten Kurse sollten dann auch in deinem Lebenslauf auftauchen. Et voilà, schon bist du deinem neuen beruflichen Ich viele Schritte näher.

 Doch nun zu den Fachkompetenzen.

Analytical Reasoning – Analytisches oder kritisches Denken

Steht auf Platz 3. Hier geht es in erster Linie darum, aus einer großen Datenmenge die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das ist erst einmal ziemlich allgemein gehalten. Die verlinkten Kurse sind es auch. Als Geisteswissenschaftler*in bist du geübt darin, große Textmengen (Daten) in kurzer Zeit zu verarbeiten, die wichtigsten Informationen für deine Fragestellung daraus abzuleiten und ein schlüssiges Argument zu daraus zu bauen. Idealerweise hast du diese Fähigkeit in Teamkontexten weiterentwickelt und Situationen erlebt, in denen du aus einer überwältigenden Menge einprasselnder Informationen eine Strategie oder einen Weg gefunden hast, die das Team/ das Projekt vorangebracht hat.

Was allgemein extrem wertvoll ist, erweist sich auch in spezialisierteren Formen als zunehmend gefragt. Einige Berufe, für die diese Kompetenz unerlässlich ist, und die prinzipiell offen für Geisteswissenschaftler*innen (mit relevanter Arbeitserfahrung) sind: Business Intelligence Consultant, Strategical Analyst, Business Development Consultant/Manager, Financial Analyst, Referent*innen- und Koordinator*innenstellen, die Beratungskomponenten haben. (Für spezialisiertere und auch technischere Kurse, schau unter Business Analysis [Platz 16] und Data Science [Platz 23].) 

People Management – unschön übersetzt mit Beziehungsmanagement (wobei: Lässt sich das überhaupt schön übersetzen?) 

Steht auf Platz 4. Nun ist freilich nicht jede*r Geisteswissenschaftler*in empathisch, konfliktfähig, und ein geborenes Führungstalent. Dennoch bin ich überzeugt, dass die wissenschaftliche Beschäftigung damit, wie Menschen denken und fühlen, genau diese Fähigkeiten gezielt trainiert. Die Auseinandersetzung damit, wie Bedeutung vermittelt wird, mit Kommunikationsprinzipien also, oder wie soziale Systeme funktionieren, sind wertvolle theoretische Grundlagen, die die Praxis doch um einiges leichter machen. Auch hier ist der Schlüssel, wie immer, praktische (Arbeits-)Erfahrung. Falls du also noch nie eine Gruppe angeleitet, aber große Lust hast, es auszuprobieren, such dir schleunigst Möglichkeiten dazu: Organisation von Konferenzen oder anderen Veranstaltungen und ehrenamtliches Engagement sind dafür gut geeignet.

UX Design – dafür gibt es gar keine Übersetzung. UX steht für User Experience.

Platz 5. Digitalisierung bestimmt unser Leben mehr und mehr. Damit diese für uns Menschen gut nutzbar und erlebbar ist (und letztlich: damit Kund*innen die Produkte und Dienstleistungen mögen), brauchen Firmen Expter*innen für UX Design. Wie beim People Management ist auch hier Empathie eine ausschlaggebende soziale Kompetenz, weil wir erstmal verstehen müssen, was die Bedürfnisse der Kund*innen sind. Anders als beim People Management liegt ein weiterer Fokus hier aber auf der technischen Umsetzung der Erkenntnisse aus Psychologie, Sozialforschung und Design. Ein Faible für Designsoftware wie InDesign oder Photoshop könnte ein Indikator dafür sein, dass du dir diesen Bereich einmal näher anschauen solltest. Kunsthistoriker*innen könnten hier ein aufregendes Feld jenseits von Museen und Galerien entdecken.

 Video Production

Platz 7. Verwandt mit Audio Production [Platz 10], Game Development [Platz 13], und Animation [Platz 15] ist Video Production eine Fachkompetenz, die branchenübergreifend gefragt ist. Wenn du in der Lage bist, schnell professionelle Videos zu produzieren, die die Kernbotschaft eines Produkts oder einer Dienstleistung auf eine Weise vermitteln, die Zuschauer*innen aktiviert, dann hast du gute Karten, um im Marketing von großen Firmen oder in der Öffentlichkeitsarbeit von Stiftungen und Verbänden interessante Stellen zu finden. Aber auch in Organisationen/Firmen, in denen es darum geht, Wissen zu vermitteln und Menschen zum Lernen anzuregen, sind diese Fähigkeiten extrem gefragt. 

Ob Literaturwissenschaftler*in, Kommunikationswissenschaftler*in oder Historiker*in, in deinem Studium beschäftigst du dich zentral mit der Funktionsweise von Erzählungen. Storytelling ist der Begriff, der in der Arbeitswelt dafür verwendet wird. Das ist der Dreh- und Angelpunkt guter Videos, guter Audios, guter Games, guter Animation. Und was die Technik angeht: Da gibt es unbegrenzte Möglichkeiten für Autodidakt*innen. Als ersten Schritt überleg dir, welche Studienleistungen du möglicherweise auch in Video-/Audioformaten einreichen kannst. Sei kreativ! Das zahlt sich aus.

Sales Leadership – Führungstalent im Vertrieb

Platz 8. Ich weiß, dass Vertrieb und Verkauf bei den meisten Geisteswissenschaftler*innen Würgereflexe hervorrufen. Du denkst vielleicht auch, dass dieses Feld den BWLer*innen vorbehalten ist und dass das auch so bleiben sollte. Ich führe diese Kompetenz trotzdem hier auf, weil man im Sales nur gut sein kann, wenn man

  1. die Bedürfnisse/Probleme der Kund*innen versteht (siehe Empathie)
  2. aus den vorhandenen Materialien/Daten passende Lösungen entwickeln kann

Was dann noch wesentlich dazukommt, ist die Fähigkeit zu überzeugen. Ich kenne einen Gründer und Head of Sales, der seinen Master in Geschichte und Germanistik gemacht und dann in Philosophie promoviert hat, der Radarmodule für die Bergbauindustrie verkauft. Er hat also hochspezialisierte Kund*innen und seine Fähigkeit, deren Beschreibungen des Problems mit anderen „Quellen“ zu einem großen Ganzen zusammenzufügen und damit zu einer besseren Lösung zu finden, ist das Ergebnis seines geisteswissenschaftlichen Studiums.

 Translation – Übersetzung

 Platz 9. Das bedarf kaum einer weiteren Erörterung. Wissenswert hier finde ich, dass du für Stellen, die als „Übersetzer*in“ ausgeschrieben sind, in der Regel eine Zusatzqualifikation brauchst. Ebenso wissenswert für alle, die keine Lust, keine Zeit, kein Geld für eine solche Qualifikation haben, sind die Links zu den Kursen auf LinkedIn. Hier geht es um Übersetzung in interkulturellen Zusammenhängen oder um die mehrsprachige Publikationsmöglichkeiten von InDesign.

Natural Language Processing

Platz 11. Auch wenn hier in erster Linie Informatiker*innen angesprochen werden, ist diese Feld auch für KI-interessierte Linguist*innen spannend.

 Social Media Marketing

 Platz 14. Verwandt mit UX Design und People Management (siehe oben) und vielleicht noch einfacher, um relevante Arbeitserfahrung zu generieren. Nutze die Möglichkeiten, Gruppen oder Foren, in denen du in der realen Welt aktiv bist, auf Social Media Kanälen bekannter zu machen. Hier kannst du dich austoben. Das Schöne für den Nachweis auf dem Lebenslauf: Du kannst die Performance (z.B. das Wachstum der Followers, Subscriptions, etc.) deiner Aktivitäten tracken und wunderbar mit Zahlen belegen. Wenn dir das Spaß macht, such dir ein Praktikum oder eine Freelance-Tätigkeit (für eine Weile), um „ernsthaftere“ Arbeitserfahrung zu sammeln.

 Journalism

 Platz 17. Hier ist nicht nur Journalismus im klassischen Sinne gemeint, also das unabhängige Berichten über die Ereignisse unserer Zeit, sondern es geht wieder zentral um Storytelling [siehe Video Production weiter oben]. Dementsprechend sind die Berufsfelder, die auf LinkedIn genannt werden, vor allem im Marketing angesiedelt. Hier finde ich persönlich die Kurse am spannendsten. Einfach, weil Schreiben eine meiner Stärken ist. Ich spiele mit dem Gedanken, den Kurs Ninja-Writing auszuprobieren. Vielleicht werden meine Blogeinträge dann endlich etwas kürzer ?

 Corporate Communications

 Platz 25. Hier ist primär die Kommunikation nach außen gemeint. Krisenmanagement ist damit verwandt, denn es geht vor allem darum, wie das Image der Firma oder der Organisation angemessen nach außen kommuniziert wird. Für viele hat das einen unangenehmen Beigeschmack von kapitalistischer Lobbyarbeit, aber stell dir vor, du kümmerst dich um die Außenwirkung einer Organisation, deren Arbeit du wirklich gut findest. Klingt doch eigentlich ganz attraktiv, oder?

 Auch hier sind die geisteswissenschaftlichen Hintergründe im Verstehen und Kommunizieren von Text und Bedeutung eine solide Basis.

 War etwas Interessantes für dich dabei? Dann freue ich mich, wenn du ihn mit anderen teilst oder mir deine Gedanken dazu schreibst – zum Beispiel auf meiner Facebookseite! 

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