Vor wenigen Stunden habe ich erfahren, dass das drei Wochen alte Baby einer guten Freundin von mir eine unheilbare Krankheit hat. Ich habe mir den Wikipedia-Artikel dazu durchgelesen und die ganze Zeit geheult, während ich mir die schrecklichen Symptome ausmalte. Wir Erwachsenen sind alle erschüttert. Wir fühlen uns hilflos, verzweifelt, wahnsinnig traurig.

Die letzten drei Wochen waren hingegen ein ständiges Fest der Freude und der Liebe. Diese Freundin ist ein Teil meiner großen, bunten Familie. Alle freuten sich über das kleine Menschlein, das warme Bündel, die kleinen Geräusche, das zarte flaumige Köpfchen, die süßen Gesichtsausdrücke – einfach über das neue Leben, das da entstanden war und an dem wir jetzt teilhaben dürfen.

Kann man todtraurig, voller Angst und Sorge und gleichzeitig froh und dankbar sein?

Was ich merke, ist dies: Ich bin gerade sehr traurig, voller Angst und Sorge. Gleichzeitig rückt die Gewissheit über die Krankheit des kleinen Kindes die Wichtigkeit und Bedeutung von Ereignissen in meinem Leben in eine andere Perspektive.

Ich verbringe so viel Zeit damit, über die Entwicklung von meinem Business nachzudenken. So. Viel. Zeit. So oft bin ich mental und emotional ganz woanders, wenn ich mit meinen Kindern frühstücke oder wenn sie am Nachmittag nach Hause kommen und ich unbedingt noch ein, zwei Stunden arbeiten will. So oft finde ich ihr fröhliches, manchmal auch schlecht gelauntes, Geplapper vor allem eins: anstrengend.

Und obwohl ich mich deswegen oft selbst blöd finde und Besserung gelobe, fühle ich mich zwei Tage später schon wieder gestresst und reagiere gereizt. Jetzt jedoch erinnere ich mich ganz bewusst an die vielen Male, in denen ich Freude und Dankbarkeit für meine Kinder verspürt habe. Und ich wünsche meiner Freundin, dass auch sie unendlich viele solcher Erlebnisse mit ihrem Kind haben wird.

Ich bin dankbar dafür, dass meine Kinder in meinem Leben sind. Ich freue mich über meine vielen Erinnerungen an ihre kleinen und großen Liebeserklärungen an mich und an das Leben. „Mama, ich liebe dich!“ rief Clara ganz laut, als wir mit dem Fahrrad die Hermannstraße runtersausten. Sie war so glücklich und so stolz, dass sie mit ihrem eigenen Fahrrad fahren durfte. „Mama, kannst du mich bitte heute zur Schule bringen?“ fragte Linus neulich mit Tränen in den Augen. Er fühlte sich einsam und traurig. Meine Kinder zeigen mir jeden Tag mit ihrem ganzen Wesen – mit dem fröhlichen ebenso wie mit dem schlecht gelaunten – wie gern sie Zeit mit mir verbringen. Ich beobachte sie und bin oft sehr froh und glücklich über sie. Über Linus, der mit Scratch „Anti-Nazi-Katzen“ und ein Malspiel für seine Schwester programmiert. Der mit seiner selbst erfundenen Ja-Nein-Maschine und seinem Kakerlaken-Labyrinth auf dem Marktplatz ein paar Euro dazu verdienen will. Der so einen großen Drang zum Erfinden und zum Leben-Genießen hat – und einen unerschütterlichen Sinn für Recht und Ordnung. Der ein echter Gourmet ist. Und eine Leseratte. Über Clara, die sich eigentlich fast immer hüpfend vorwärts bewegt, weil sie so fröhlich und voller Energie ist. Die Hausaufgaben über alles liebt. Genauso wie Schokolade, Gummibärchen und Fischstäbchen und meinen „schönen Schwabbelbauch“. Und „Maschase“ (Massage)! Die sich die verrücktesten Geschichten ausdenkt und aus dem Stegreif ganze Romane erzählt. Die stundenlang malt und ausmalt. (So wie die Herzen im Bild oben.) Wenn sie Mo andächtig beim Gute-Nacht-Geschichte-Lesen lauschen. Wenn wir am Küchentisch über eklige Sachen reden und Lachkrämpfe kriegen. Als wir neulich ein riesiges Puzzle puzzelten. Oder in der Therme alle in einem Knäuel durch das warme Salzwasser wateten.

Ich bin dankbar für meine zwei Beziehungen. Für Mo, mit dem ich schon seit vierzehn Jahren gemeinsam durchs Leben gehe. Mit dem ich Krisen überwunden, Tango getanzt, Kunstprojekte gemacht, Blogs und Liebesbriefe geschrieben, Kinder bekommen, Abenteuer erlebt und die Merkwürdigkeit des Lebens gefeiert habe. Für Sabine, die seit acht Jahren in meinem Leben ist. Mit der ich unaufgeregte, dann wilde, schwierige und berauschende Zeiten erlebt, tiefe Gespräche über den Sinn des Lebens und die Macht der Gefühle geführt, Liebesbriefe geschrieben, unter Bäumen gelegen und in die Sonne geblinzelt, und Lieder über die Liebe und den Tod gesungen habe. Und so viele andere wunderschöne, berührende, und auch alltägliche Dinge.

Ich bin dankbar für meinen Bruder, der mich erst gestern daran erinnert hat, wie wertvoll Familienzeit ist. Mit dem ich so albern sein kann, wie mit niemandem sonst auf der Welt. Für meine Mutter, die mir sagt, wie sehr sie mich lieb hat. Die ihre Gedanken und Gefühle über unser Verhältnis, das nicht immer einfach ist, mit mir teilt.

Ich bin dankbar für meine Freund*innen. Die mit mir singen und musizieren. Die sich nach mir erkundigen, wenn ich mich mal wieder monatelang nicht gemeldet habe. Die mir das nicht übelnehmen. Die einfach da sind und die sich über die gemeinsame Zeit, die wir schon erlebt haben und die wir noch erleben werden, freuen.

Ich bin dankbar für meinen Körper, der mich trägt und mir fast nie weh tut. Mit dem ich sehen, sprechen, singen, riechen, tanzen, hören, schmecken, streicheln, kochen, lieben, essen, lachen, atmen, lesen, schlafen, träumen, rennen, hüpfen, klettern, schreiben, Geige, Gitarre, Klavier und Flöte spielen, umarmen, trösten, am Computer sitzen, Workshops geben, wandern, Wäsche waschen, aufräumen, mit 10 Fingern tippen, jonglieren, Weihnachtssterne falten, Sofakissen nähen, Schränke bauen, Wände streichen, meditieren kann.

Ich bin dankbar für meine Arbeit. Für all die Begegnungen mit all den Menschen, denen ich im letzten Jahr mit meiner Arbeit Mut gemacht habe. Für die Dankbarkeit, die mir diese Menschen entgegengebracht haben. Für die Resonanz. Für das Vertrauen, das mir die Projektleiter*innen, Koordinator*innen und Teamleiter*innen von Goldnetz, Forum Berufsbildung, der Hanns Seidel Stiftung, der Dahlem Research School, der WBG, der Unis Greifswald, Potsdam, Leipzig, Bielefeld, München und Freiburg, der Max-Planck-Gesellschaft, vom Jobcenter Reinickendorf und der Karriere für den Geist entgegen gebracht haben. Für die Freiheit, in meiner Arbeit genau das tun zu dürfen, was ich am liebsten tue: Inhalte schaffen (Workshops, Coachings, Blogartikel, mein Buch), die den Funken überspringen lassen, die Mut zur Veränderung machen, Mut, die eigenen Monster zu zähmen. Ich freue mich und bin stolz, dass ich meine Ziele für 2018 erreicht habe. Und ich freue mich darauf, meine Ziele für das nächste Jahr zu finden und hier zu teilen.

Ich bin dankbar für das kleine Kindlein meiner Freundin, für das große Geschenk, das es uns allen mit seinem ganzen Wesen macht: jeden Tag und jeden Moment wird es uns an die Kostbarkeit des Lebens erinnern. Daran, wie wichtig es ist, das Leben zu leben. Ein Geschenk, das schon jetzt greifbar ist: Wir sind alle näher zusammengerückt. Das ist ein wunderbares Gefühl.

 

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