Stell dir vor, dein Freund will dir zum Geburtstag einen Kuchen backen. Er steht in der Küche, holt alle Zutaten raus, wiegt sie sorgfältig ab, gleicht alles mit dem Rezept ab. Doch dann entscheidet er sich, ein anderes Rezept zu nehmen, weil ihm das erste nicht gut genug erscheint. Er fängt noch mal von vorne an. Dann merkt er, dass ihm für das zweite Rezept noch Zutaten fehlen. Auf dem Weg zum Supermarkt gehen ihm die verlockenden Fotos dieses Kuchens nicht aus dem Kopf und er ist sich plötzlich sicher, dass ihm niemals ein solcher Kuchen gelingen wird. Mutlos schleicht er durch den Supermarkt, kauft die fehlenden Zutaten ein, schlurft zurück nach Hause und stellt sich wieder in die Küche. Einen Kuchen zu backen, kommt ihm nun wie eine unmögliche Aufgabe vor, denn alles, was er zustande bringen wird, wäre auf jeden Fall nur ein schlechter Abklatsch vom Originalrezept. Dein Geburtstag kommt, dein Freund steht immer noch in der Küche, Mehl, Butter und Eier vor ihm ausgebreitet. „Happy Birthday“ ist doch irgendwie was anderes.

Für viele ist das ein echtes Problem, wenn auch meistens nicht mit Kuchen. Sie stecken fest mit ihrer Abschlussarbeit und kommen einfach nicht weiter. Oder sie schreiben und schreiben und werden trotzdem nicht fertig. Oder sie haben schlicht keine Zeit, weil sie parallel zu ihrer Abschlussarbeit einer Erwerbsarbeit nachgehen und dazu vielleicht auch Kinder haben. Aufgeben ist keine attraktive Option, denn dann wären viele Jahre Studium gefühlt in den Sand gesetzt, der Abschluss verschenkt.

Wenn du dich angesprochen fühlst: nicht verzagen, du befindest dich in bester Gesellschaft. Erstens geht es sehr vielen Menschen so. Und zweitens gibt es Menschen, die auch ohne Abschluss echt erfolgreich sind. Zwei sehr erfolgreiche Geschäftsfrauen, die ich kenne, haben nie ihren Abschluss gemacht. Hier sind noch weitere Beispiele von Menschen, die beruflich total erfüllt sind, obwohl (oder weil?) sie ihren Abschluss nicht gemacht haben.

Aber ich will dich ja hier gar nicht dazu verlocken, deinen Abschluss hinzuschmeißen, sondern dir einen Vorschlag machen, wie du deine letzte Arbeit schaffen kannst, und zwar lange bevor du deinen 100. Geburstag feierst.

Die Losung lautet: Done is better than perfect.

Auch wenn ich viele Laster und Schwächen habe, mit dem Fertigstellen von Texten hatte ich noch nie ein Problem. Dabei hat mir mein Studium in Cambridge sehr geholfen. Jede Woche musste ich zwei bis drei Essays à 2000 Wörter zu einem neuen Thema einreichen. Von Psychoanalyse in der Literatur bis Poststrukturalismus, von Renaissance-Romanen bis zu französischen Kunstfilmen, von Homers Ilias bis Sapphos Gedichten. In den ersten zwei Jahren brauchte ich EWIG für einen einzigen Essay. Ich saß tagelang in meinem Zimmer und quälte mich. Irgendwann verstand ich: Für lange Recherchen ist nicht genug Zeit. Für perfektes Englisch auch nicht. Wenn ich einfach mein Gehirn anschalte, meinen Perfektionismus ausschalte und selbst denke, und dafür weniger andere Leute zitiere, schreibe ich erstens schneller und zweitens bekomme ich auch noch bessere Noten.

Erstaunlicherweise machte ich auf diese Weise sogar weniger Fehler in Englisch als vorher. (Vielleicht lag das aber auch daran, dass ich mittlerweile schon zwei Jahre dort gelebt und studiert hatte.)

Diese Taktik habe ich beibehalten. Bei meiner Masterarbeit half es, dass der Geburtstermin meines Sohns nahte und ich ganz einfach nur drei Monate Zeit dafür hatte. (Echte Fristen helfen sehr dabei, den Perfektionismus abzutrainieren!) Bei meiner Doktorarbeit hatte ich auch eine Frist, nämlich das Ende meines Stipendiums. Mir war klar, dass die Arbeit noch tiefgründiger, noch besser strukturiert, noch ausführlicher hätte sein können. Aber mir war auch klar, dass es für meine berufliche Laufbahn keinen Unterschied macht, ob ich jetzt ein Magna oder ein Summa bekomme. So fiel es mir relativ leicht, auch meine immerhin 350 Seiten umfassende Doktorarbeit fertig zu schreiben.

Mein Leitsatz dabei war immer:

Done is better than perfect.

Das kommt aus der Startup-Welt, wo ja bekanntermaßen viel und schnell umgesetzt wird. Vielen Wissenschaftler*innen fällt gerade das sehr schwer. Dabei könnten gerade sie von dieser Denkweise profitieren. Denn natürlich sind ihre Arbeiten immer noch sehr gut recherchiert und dass die Sätze nicht so feingeschliffen sind, wir vermutlich niemand merken.

Es gibt übrigens ein Prinzip, das nach einem italienischen Soziologen benannt ist, und das dir sogar einen wissenschaftlichen Beleg dafür liefert, dass es sinnvoll ist, den Perfektionismus herunterzuschrauben: das Pareto-Prinzip. Es besagt, dass man in 20% der Zeit 80% einer Aufgabe erledigt. Um die übrigen 20% der Aufgabe zu schaffen (womit sie dann perfekt erledigt wäre), braucht man hingegen 80% der Zeit.

Angenommen, du hast noch ein Kapitel zu schreiben (oder einen Absatz), dann nimm dir möglichst wenig Zeit dafür. So wenig, dass du erst mal denkst: Voll unrealistisch!

Und jetzt leg los. Dein einziges Ziel ist es, in der festgesetzten Zeitspanne, den Textabschnitt ZU ENDE zu schreiben. Kümmere dich nicht um gute Formulierungen, nicht um Satzzeichen, um nichts, was dir Zeit raubt. Schreib es einfach runter. Wenn die Zeit um ist, hast du vielleicht 60-70% der Aufgabe geschafft. Jetzt nimm dir noch einmal genauso viel Zeit und bügele so viel glatt, wie dir möglich ist. Und dann gib das verdammte Ding ab!

Land your target job outside academia

Join my email list and create the best possible match with your future job - even if you believe you don't have any of the required skills.

Thank you! Please check your e-mail to confirm the subscription.

Meet me and potential participants of the CONNECT program

Join this spring's invitation list to receive the Zoom link where we will meet on Tuesday, 26th March, from 2-4 pm. If you're interested, but this date doesn't work for you, or you have a question, drop me an e-mail at ulrike [at] deinemonster.de.

By registering your name and email address here, you are ONLY joining this spring's invitation list. You can join my newsletter here.

Thank you! Please check your e-mail for the GDPR-required double opt-in.